Roboter Kompetenz- und Interaktionstestcluster rokit

Projekt-Nr. IFA 5168

Status:

abgeschlossen 12/2025

Zielsetzung:

Das Roboter-Kompetenz- und Interaktionstestcluster "rokit" aus 13 Forschungseinrichtungen, Unternehmen und öffentlicher Verwaltung wurde als Projektverbund von 2022 bis 2025 durch das Bundesministerium Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR, seinerzeit BMBF) gefördert. Das Cluster erforschte mobile Assistenzrobotik für ausgewählte Einsatzbereiche wie Inspektion und Überwachung, Reinigung und Pflege sowie Mikrologistik und Transport. Durch die Entwicklungs- und Gestaltungsarbeiten wurden Mensch-Roboter-Interaktionen im öffentlichen Raum praktisch umgesetzt.

Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) erforschte gemeinsam mit Projektpartnern eine sichere und gesunde Mensch-Roboter-Interaktion mit mobiler Assistenzrobotik. Dazu wurden Anforderungen an die Gestaltung sowie Test- und Validierungsmethoden für den Nutzungskontext entwickelt und erprobt.

Aktivitäten/Methoden:

Die Forschungsaktivitäten des Clusters wurden im rokit-hub koordiniert und in Thinktank, Methodenwerkstatt und Living-Lab methodisch strukturiert. Der Thinktank begleitete das Projekt wissenschaftlich und sichtete und systematisierte wissenschaftliche Erkenntnisse. Das IFA analysierte in diesem Rahmen die internationale Fachliteratur zum Thema "Human Factors Engineering". Das IFA konzentrierte sich auf den Bereich der Arbeitswelt und identifizierte Szenarien aus der Prävention im Arbeitsschutz, die Interaktionen auch im öffentlichen Raum sicherer und gesünder machen. Dazu wurden Befragungen bei Stakeholdern aus der Arbeitswelt, z. B. von Experten der UVT auf dem Gebiet der mobilen Assistenzrobotik, durchgeführt, um deren Bedarfe zu identifizieren. Dabei wurden sowohl allgemeine Aspekte der funktionalen Sicherheit im Anwendungsfeld Robotik, als auch Aspekte der vertrauenswürdigen KI und der ergonomischen Arbeitssystemgestaltung mit einbezogen. Hierzu wurden regulatorische Anforderungen sowie anzuwendende Standards identifiziert und zusammengetragen, die in Form einer Wissensdatenbank für alle Partner im Projekt sowie Stakeholder aufbereitet werden.

Die Methodenwerkstatt organisierte die Methodensammlung und ihren Einsatz in Interaktionsprozessen mit mobiler Assistenzrobotik aus sozial-, wirtschafts-, ingenieur-, natur- und rechtswissenschaftlichen Disziplinen des Projekts. Das IFA untersuchte, inwieweit Methoden zur Analyse und Bewertung von Gefährdungen aus der Arbeitswelt auch im öffentlichen Raum angewendet werden können und welche Präventionsmaßnahmen erforderlich werden. Hier analysierte das IFA neben den mechanischen Gefährdungen und Aspekten der funktionalen Sicherheit insbesondere Risiken, die sich aus dem Einsatz von KI ergeben, und formulierte entsprechende Maßnahmen zur Risikominderung. Dazu beteiligt sich das IFA aktiv im Rahmen des ISO/IEC JTC 1 SC 42 – Artificial Intelligence an der Entwicklung des Dokuments TS 22440, das konkrete Anforderungen für den Einsatz von KI im Bereich der Funktionalen Sicherheit enthalten wird und in das die aus dem Projekt gewonnenen Erkenntnisse mit einfließen werden. Erkenntnisse zur empfundenen Sicherheit für eine Gestaltung sicherer und gesunder Mensch-Roboter-Interaktionen wurden dokumentiert (z. B. erhöht die Anzeige geplanter Roboterbewegungen die Sicherheit für Menschen).

Im Living Lab des Projekts wurden Feldstudien zur Evaluation mobiler Assistenzrobotik im öffentlichen Raum durchgeführt, um daraus Best-Practices für die Entwicklung und zukünftige Risiko- und Gefährdungsbeurteilungen abzuleiten. Das IFA informierte über die neuesten Erkenntnisse auf Fachveranstaltungen der Unfallversicherungsträger.

Ergebnisse:

Die Erkenntnisse des Human Factors Engineering aus der Literaturrecherche wurden genutzt, um Gestaltungsanforderungen zur empfundenen Sicherheit in der Mensch-Roboter-Interaktion mit denen zur Maschinensicherheit abzugleichen. Zusammenhänge zwischen empfundener Sicherheit (z. B. Vertrauen zum Roboter, Gebrauchstauglichkeit) und funktionaler Leistungsfähigkeit (z. B. Mensch-Roboter-Distanz, Stabilität des Roboters) sind in Begegnungsszenarien zwischen Menschen und Robotern (z. B. auf einer Rampe, in einem Flur) untersucht worden. Eine erstellte Wissensdatenbank mit relevanten Regelwerken und Normen ermöglicht UVT, Kommunen oder Unternehmen eine Orientierung über bestehende Sicherheitsanforderungen in der Robotik. Für öffentliche Bereiche, in denen sich sowohl Beschäftigte als auch andere Personengruppen aufhalten, reichen diese Anforderungen jedoch häufig nicht aus. Daher wurden weitere, grundlegende Aspekte zu mechanischen Gefährdungen und zur funktionalen Sicherheit zusammengestellt, die Roboter im öffentlichen Raum berücksichtigen sollten. Als Hilfestellung für Beteiligte beim Inverkehrbringen mobiler Robotik hat das IFA aus diesen Aspekten konkrete Sicherheitsmetriken und Hinweise zum Gestalten sicherer und gesunder MRI abgeleitet und diese auch im Rahmen praktischer Benchmarking-Versuche erfolgreich an Robotern erprobt.

Über den Projektrahmen hinaus hat sich das IFA zusätzlich innerhalb des Transferzentrums Roboter im Alltag (RimA) vernetzt und zur Maschinensicherheit ausgetauscht. Wichtige Ergebnisse für die Arbeitswelt wurden in Fachpublikationen veröffentlicht.

Stand:

04.02.2026

Projekt

Gefördert durch:
  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV)
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF
Projektdurchführung:
  • Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA)
  • HFC Human-Factors-Consult GmbH
  • Angsa Robotics GmbH
  • Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und ‑automatisierung (IFF)
  • Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA)
  • Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie (IMW)
  • Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM)
  • Technischen Universität Berlin (TUB)
  • Technischen Universität Chemnitz (TUC)
  • Hochschule Düsseldorf (HSC)
Branche(n):

-branchenübergreifend-

Gefährdungsart(en):

Gestaltung von Arbeit und Technik, Mechanische Gefährdungen, Gefährdungsübergreifende Fragestellungen

Schlagworte:

Arbeitsumwelt (Belastungen, Gefährdungen, Expositionen, Risiken), Neue Technologien, Mensch-Maschine-Schnittstelle

Weitere Schlagworte zum Projekt:

Assistenzrobotik, öffentlicher Raum, Künstliche Intelligenz, Mensch-Roboter-Kollaboration, Human Factors, Arbeitsschutz

Kontakt

Weitere Informationen

https://public-robots.de/

https://www.roboter-im-alltag.org


  • Autorenkollektiv: Roboter für Assistenzfunktionen: Interaktion in der Praxis (rokit). In: Rönnau, A et al (eds.), Roboter für Assistenzfunktionen: Konzeptstudien für die Interaktion in der Praxis. Karlsruhe: KIT Scientific Publishing, 2024.
  • Nickel, P.; Meer, A.-M.; Kahl, B.: Empfundene Sicherheit für mehr Qualität in Mensch-Roboter-Interaktionen. Posterpräsentation auf der 70. Frühjahrskongress der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft (GfA) "Arbeitswissenschaft in-the-loop: Mensch-Technologie-Integration und ihre Auswirkung auf Mensch, Arbeit und Arbeitsgestaltung", 06.-08.03.2024, Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement IAT der Universität Stuttgart, Stuttgart, 2024.
  • Nickel, P.; Meer, A.-M.; Kahl, B.: Human factors and ergonomics in human-robot interaction for public spaces facilitate perceived safety. Proceedings of the 22nd Triennial Congress of the International Ergonomics Association (IEA) "Better life ergonomics for future humans (IEA 2024)", Aug 25-29, 2024, ICC JEJU in Jeju, South Korea.
  • Scharping R.; Behrens R.; Zimmermann J.; Elkmann N.: Tag - and Knowledge-based Standards Documentation. SIAS – 11th International Conference on Safety of Industrial Automated Systems, June 12-13, 2024, Tampere, Finland, ISBN: 13 978-952-5183-64-1
  • Zimmermann, J.; Clermont, M.; Nischalke-Fehn, G.: Excerpt from a Practical Risk Assessment of the Hand-Arm Region for Workplaces with Collaborative Robots. In: Huber, M., Verl, A., Kraus, W. (eds) European Robotics Forum 2025. ERF 2025. Springer Proceedings in Advanced Robotics, vol 36. Springer, Cham.
  • Zimmermann J.; Clermont M.; Nischalke-Fehn G.; Karacic N.: Evaluation of mechanical collisions at workplaces with collaborative robots. SIAS – 11th International Conference on Safety of Industrial Automated Systems, June 12-13, 2024, Tampere, Finland, ISBN: 13 978-952-5183-64-1
  • Fiedler, L. et al.: Ethics consultation for integrating ethics in technology readiness levels (TRL). Journal of Responsible Innovation, 12(1), 2025.
  • Lehnshack, M. et al.: Rechtliche Bedingungen für den Einsatz autonomer mobiler Roboter im öffentlichen Raum. Studie im Rahmen des BMBF-Begleitprojekts "rokit" 2024.
  • Friedrich, M. et al.: Evaluating Public Reactions to Robots: A Novel Approach for Structured, Real-Time Observations in Field Studies. In: Streitz, N.A., Konomi, S. (eds) Distributed, Ambient and Pervasive Interactions. HCII 2025. Lecture Notes in Computer Science, vol 15803. Springer, Cham 2025.
  • Nickel, P.; Zimmermann, J.; Schneider, S.; Beckers, M.: Sichere Mensch-Roboter-Interaktion im öffentlichen Raum Nr. 0463, Ausgabe 6/2025 In: Aus der Arbeit des IFA. Hrsg.: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Berlin
  • Zimmermann, J.: Mechanische Gefährdungen an Maschinen. Kennzahl 300 020, 2. Lieferung 2025, 16 S. In: IFA-Handbuch Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Hrsg.: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). 2. Auflage. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2003.